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0046 - Das Haus der Verfluchten

0046 - Das Haus der Verfluchten

Titel: 0046 - Das Haus der Verfluchten
Autoren: Mario Werder
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Sie stellte den Scheibenwischer eine Stufe höher, startete den abgewürgten Motor und fuhr langsam weiter. Die Sicht betrug nur wenige Meter, das Unwetter schien sich über diesem Gebiet zu konzentrieren. Blitz auf Blitz fegte vom Himmel. Marie zuckte zusammen, als ein schmetterndes Krachen in unmittelbarer Nähe ihr fast das Gehör nahm. Ein Blick in den Rückspiegel ließ sie zusammenfahren.
    Eine Pappel am Straßenrand war getroffen.
    Langsam neigte sich die eine Hälfte des Stammes auf den Wagen zu. Im letzten Moment gab Marie Renard Gas. Der Baum krachte hinter ihr auf die Chaussee.
    »Es können nur noch wenige Minuten bis zum Schloss sein.« Sie machte sich selbst Mut und trat das Gaspedal tiefer durch.
    Da tauchte das Schild auf! Ohne den Blinker zu betätigen, bog sie ab und fuhr in die von hohen Bäumen gebildete Allee.
    Aufatmend drehte Marie den Zündschlüssel um und wollte sich erleichtert zurücksinken lassen.
    Aber was sie durch die Windschutzscheibe sah, ließ sie an ihrem Verstand zweifeln.
    Auf dem weiten Schlosshof brannten vier Feuer!
    Riesige, säuberlich aufgeschichtete Holzstapel loderten trotz des Regens hell auf.
    Auf jedem dieser Scheiterhaufen war ein Stamm senkrecht befestigt und an jedem dieser Pfähle war eine Frau in mittelalterlicher Kleidung angebunden.
    Die Flammen erreichten die Kleider und setzten die Gestalten blitzschnell in Brand. Wie Fackeln loderten die Gewänder der vier Frauen auf. Marie stierte wie in Trance auf diese Szene.
    Die Schreie der Gefesselten drangen kaum in ihr Bewusstsein. Jetzt stimmten drei der Frauen einen Gesang an, Marie erkannte darin ein altes Kirchenlied.
    Um die Scheiterhaufen herum standen Männer. Sie waren mit Schwertern und Lanzen bewaffnet.
    Andere arbeiteten im Hintergrund an einer Konstruktion, die nicht genau zu erkennen war.
    Jetzt richteten diese Männer einige Balken auf, und schaudernd sah Marie Renard, dass es sich um einen Galgen handelte.
    Die Schläge der schweren Hämmer übertönten selbst das Geschrei und den Gesang der Frauen auf den Scheiterhaufen.
    Marie kam zu sich, sah verwirrt auf die Szenen im Schlosshof und wollte nach dem Zündschlüssel greifen.
    Sie erreichte ihn, drehte und wartete vergeblich auf das vertraute Geräusch des Motors.
    Der Wagen sprang nicht an!
    Verzweifelt sah die Frau auf das Armaturenbrett. Alles schien in Ordnung zu sein!
    Wieder und wieder versuchte sie, den Wagen zu starten. Erfolglos.
    Der Motor rührte sich nicht.
    Ihre Panik wuchs ins Unermessliche.
    Dann verschwanden die Szenen langsam, verblassten und wurden immer schwächer.
    Erleichtert atmete Marie Renard auf. Sie griff zur Türverriegelung, doch da wurde der Schlosshof wieder erhellt.
    Ihre Hand ließ den Verschlussknopf der Tür los und fiel herab.
    Die Szene hatte gewechselt.
    Kinder wurden von bewaffneten Reitern vorwärts getrieben.
    Als sie in einem Kreis in der Mitte des Hofes versammelt waren, trieben die bewaffneten und gepanzerten Männer ihre Pferde an.
    Die Frau musste die Augen schließen, als sie sah, dass die Reiter die Lanzen eingelegt hatten. Manche hielten überdimensional wirkende Schwerter in den Händen.
    Als Marie Renard die Augen wieder öffnete, war der Spuk erneut verschwunden.
    Aber jetzt griff sie nicht nach der Tür des Wagens, sondern wartete ab.
    Drei Männer in Kutten erschienen. Langsam betraten sie den Hof vom Portal des Schlosses aus.
    Ein Mann und zwei Frauen standen, von Bewaffneten umringt, in der Mitte des Platzes.
    »Ihr seid für schuldig befunden worden, Hexerei getrieben zu haben«, sagte einer der Mönche, »bei deiner Tochter, Jaques Fourier, ist erwiesen, dass sie mit dem Satan gebuhlt hat. Sie wird zum Tod durch den Scheiterhaufen verurteilt.«
    Der Mann sank auf die Knie und rief verzweifelt: »Wir sind doch unschuldig! Wir haben niemals etwas Unrechtes getan! Habt doch Mitleid mit uns!«
    Ungerührt sprach der Mönch weiter.
    »Deine Frau ist beobachtet worden, wie sie des Nachts durch die Luft flog. Um der Gerechtigkeit Genüge zu tun, sei gesagt, dass der Zeuge dafür unzuverlässig erscheint. Deine Frau wird einem Gottesurteil unterworfen. Und du selbst, Jaques Fourier«, die Gestalt des Mannes in der Kutte schien zu wachsen, seine Augen glühten in wildem Feuer. »Du selbst stehst in Verbindung mit dem Bösen an sich! Es ist bewiesen, dass du einer der größten Hexenmeister bist, die jemals der wahren Kirche zur Verurteilung überliefert wurden!«
    Der Mann lag immer noch auf den Knien,

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