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0030 - Hexentanz

0030 - Hexentanz

Titel: 0030 - Hexentanz
Autoren: Friedrich Tenkrat
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»Es war eine wunderschöne Party«, sagte Derek Shapiro. »Vielen Dank für die Einladung.«
    Hank Hammer, ein betuchter Grundstücksmakler – erst achtundzwanzig Jahre alt und der begehrteste Junggeselle von Montreal –, winkte ab. »Ich bitte dich, Derek. Hab’ ich schon mal eine Fete gegeben, zu der ich dich nicht eingeladen habe?«
    Sie standen vor Hammers Villa. Cora Finley, Shapiros Verlobte, rieb sich leicht fröstelnd die nackten Arme. Sie trug ein weißes Seidenkleid mit sehenswertem Ausschnitt.
    Ihre Augen waren dunkel, und wenn sie einen Mann damit ansah, ging ihm ihr Blick unweigerlich durch und durch. Sie war blond, hochgewachsen und schlank. Eine bildhübsche Frau.
    Derek Shapiro war stolz auf sie. Seit er sie kannte, verging kein Wochenende, an dem er mit Cora nicht im Freundeskreis protzte.
    Die beiden jungen Leute waren bis über beide Ohren ineinander verliebt. Erst vor vier Wochen hatten sie sich verlobt.
    »Cora friert schon«, sagte Shapiro zu seinem Freund. »Wir müssen gehen.«
    »Kommt gut heim«, sagte Hank Hammer.
    »Wir werden uns die größte Mühe geben«, erwiderte Shapiro. Er holte seinen Wagenschlüssel aus der Hosentasche.
    Cora Finleys Hand schoß vor. Sie schnappte sich den Schlüssel und sagte: »Kommt nicht in Frage, daß du fährst, Derek. Du hast viel zuviel getrunken.«
    Shapiro kniff ein Auge zu und sagte zu Hammer. »Ist es nicht süß, wie besorgt sie um mich ist?«
    »Sie hat schon recht«, meinte Hammer. »Es ist vernünftiger, wenn du Cora das Steuer überlässt.«
    Shapiro lachte. Er hob die Hände, als wollte er sich ergeben und rief: »Okay, okay. Ich gebe mich geschlagen.«
    Er ging mit Cora zu seinem nussbraunen Cadillac. Das Mädchen schloß auf und setzte sich ans Steuer. Hammer stand noch in der Tür. Erst als der Cadillac abfuhr, kehrte Hank Hammer in sein Haus zurück, um sich den hartnäckigeren Gästen zu widmen, die der fortgeschrittenen Nacht immer noch trotzten.
    Schon nach kurzer Fahrt wurde Cora Finley plötzlich todernst.
    Shapiro fiel das auf. Der junge brünette Bursche mit den wasserhellen Augen blickte seine Verlobte von der Seite her beunruhigt an. »Sag mal, hast du was?« fragte er.
    »Nein, was soll ich haben?«
    »Ich weiß nicht. Du siehst auf einmal aus, als wolltest du mich fressen.«
    »Unsinn.«
    »Wirklich, Cora. Du hast doch nicht etwa vor, mir jetzt eine Szene zu machen, oder? Ich hab’ mich beim Trinken zurückgehalten, ehrlich. Ich weiß, du magst es nicht, wenn ich mich vollaufen lasse.«
    »Das ist schon okay, Derek«, sagte das Mädchen mit rauer Stimme.
    »Was ist dann aber der Grund für dieses Gesicht, Darling?« bohrte Shapiro weiter. »Fühlst du dich nicht wohl?«
    »Ich fühle mich ausgezeichnet.«
    »Dann lach doch mal.«
    »Kann ich nicht.«
    »Und wieso nicht?«
    »Mir ist etwas eingefallen. Ich muß immerzu daran denken.«
    »Woran?« wollte Shapiro wissen.
    Sie rasten die Serpentinen zum Mont Royal Park hinauf. Coras Fahrstil war aggressiv geworden. Sonst fuhr sie defensiv, immer auf Sicherheit bedacht. Diese neue Risikofreudigkeit des Mädchens gefiel Shapiro nicht.
    Er war sich nicht sicher, ob Cora den Wagen auch in einer kritischen Situation beherrschen würde.
    Es warf ihn in den Kurven hin und her.
    »Cora, fahr nicht so wild!« rief Shapiro erschrocken. »Und sag mir endlich, woran du immerzu denken mußt.«
    »An Oxoran«, sagte das Mädchen mit einer Stimme, die dem jungen Mann seltsam fremd vorkam.
    »Oxoran?« fragte er verwirrt. »Was soll das sein? Ein Edelstein? Eine Stadt? Ein Land? Ein Mensch?«
    Cora Finley antwortete ihm nicht darauf. Sie zog den Cadillac in die letzte Kehre. Dann hatten sie den höchsten Punkt des Passes erreicht. Die Straße sank vor ihnen nach unten.
    Die Scheinwerfer bohrten sich in die finstere Nacht. Der Mond war fast voll, und Cora blickte ihn beinahe ehrfürchtig an. Shapiro war beunruhigt.
    Irgend etwas stimmte mit seiner Freundin nicht. Sie war wie ausgewechselt. Er hatte das Gefühl, eine völlig Fremde würde neben ihm sitzen. Ihr Blick wurde glasig.
    Es sah aus, als wäre sie in Trance gefallen. Ihr Atem ging schneller. Ihr Busen hob und senkte sich rasch. Sie war aufgeregt.
    »Mein Gott, Cora, was hast du nur?« drängte Shapiro.
    Er schien für das Mädchen nicht mehr zu existieren. Ein rätselhaftes Lächeln huschte über ihre glatten Züge.
    Sie nickte, als hätte jemand mit ihr gesprochen. Nicht Shapiro. Jemand anders.
    Cora fing zu murmeln an. Shapiro dachte,

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