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0002 - Die Totenkopf-Insel

0002 - Die Totenkopf-Insel

Titel: 0002 - Die Totenkopf-Insel
Autoren: Jason Dark
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Eine dunkle Julinacht. Vom Meer her kamen dicke schwarze Regenwolken. Wie drohende Ungetüme trieben sie über den Himmel, verdunkelten den bleichen Halbmond und segelten weiter auf das Innere des Landes zu.
    Adam Preston fröstelte.
    Der Wind bauschte seinen Mantel auf und ließ den Stoff knattern. Preston hatte den Kragen hochgestellt, trotzdem wurden seine dunkelblonden Haare durcheinandergewirbelt.
    Verrückt, dachte er. Verrückt, was du hier machst. Du läßt dich mitten in der Nacht auf dieses einsame Plateau bestellen und kommst auch noch. Aber da waren die fünfhundert Pfund, die lockten. Und für Geld hatte Preston schon manches getan. Sogar für weniger. Hundert Pfund Anzahlung knisterten in seiner Manteltasche. Für diese Summe mußte eine alte Frau lange stricken.
    Preston war nicht allein.
    Vier weitere Menschen hielten sich auf dem Plateau auf. Zwei Ehepaare mittleren Alters. Eine Frau klammerte sich dicht an ihren Mann. Die andere rauchte. Sie hielt die Zigarette in der hohlen Hand. Hin und wieder glühte die Spitze auf.
    Adam Preston kam aus London. Dort hatte er auch die Anzeige in einer großen Tageszeitung gelesen. Den Text hatte er noch genau im Kopf.
    SUCHE UNABHÄNGIGE MENSCHEN, DIE MUT ZUM RISIKO UND LUST AM ABENTEUER BESITZEN! BEZAHLUNG AUSSERGEWÖHNLICH GUT! NÄHERES UNTER CHIFFRE 555!
    Preston hatte auf die Anzeige geantwortet. Schließlich war er seit einem halben Jahr arbeitslos. Und da griff man nach dem letzten Strohhalm.
    Er bekam auch postwendend Antwort. Ein gewisser Basil Proctor war daran interessiert, ihn zu sprechen. Preston sollte warten, bis er angerufen wurde.
    Er hatte gewartet. Zwei Tage. Dann kam der Anruf.
    Adam Preston konnte sich noch genau an die Worte erinnern.
    »Fahren Sie nach Cornwall. Zwei Meilen südlich der kleinen Stadt Devontown befindet sich ein Plateau. Treffen Sie dort gegen Mitternacht ein. Alles weitere werden Sie dort erfahren.«
    Preston war gefahren. Und jetzt sah er, daß er nicht der einzige war, der auf die Anzeige geantwortet hatte.
    Die Zigaretten steckten in seiner Manteltasche. Das Sturmfeuerzeug ebenfalls. Preston klopfte sich ein Stäbchen aus der Packung, knipste das Feuerzeug an und hielt die Flamme an die Zigarettenspitze.
    Sekundenlang huschte der Schein über sein Gesicht. Er enthüllte eine pockennarbige Haut, schmale Lippen und ein eckiges Kinn. Die Stirn war breit. Der Wind drückte das blonde Haar den Augenbrauen entgegen.
    Preston steckte das Feuerzeug weg. Gierig zog er den Rauch der Filterlosen in die Lunge. Verdammt, er war nervös. Aber wer wäre es an seiner Stelle nicht gewesen?
    Und weshalb hatte man ihn überhaupt nach Cornwall bestellt? Hier war doch das Ende der Welt.
    Vielleicht wußten die anderen mehr.
    Preston schlenderte zu dem am nächsten stehenden Ehepaar hinüber.
    »Entschuldigen Sie bitte«, sagte er, »aber wissen Sie vielleicht, was dieser Zirkus hier zu bedeuten hat?«
    Die Frau und der Mann sahen ihn an. Die Frau schien hübsch zu sein. Ein Kopftuch schützte ihr dunkles Haar gegen den ärgsten Wind.
    Ihr Mann hob die Schultern. Er hatte ein rundes Gesicht mit dicken Wangen. »Keine Ahnung, Sir. Wir haben nur die Anzeige in der Zeitung gelesen.«
    »Ja, ich auch.« Preston deutete zu dem zweiten Ehepaar hinüber. »Ob die vielleicht etwas wissen?«
    »Nein. Wir haben schon gefragt. Sie sind ebenso ahnungslos wie wir.«
    »Komisch.« Preston zog die Nase hoch. Er war leicht erkältet. »Haben Sie denn irgendeinen Verdacht, was wir hier sollen?«
    Der Mann schüttelte den Kopf. »Etwas Schlimmes kann es nicht sein, sonst waren ja keine Frauen dabei.«
    Preston verzog das Gesicht. »Das kann man nie wissen. Übrigens, ich heiße Adam Preston.«
    Der Mann nickte. »Angenehm. Nathan Grey. Das ist meine Frau Linda.«
    Linda Grey lächelte scheu. Sie hatte bisher noch keinen Ton gesagt.
    »Kennen Sie auch den Namen des anderen Ehepaares?« wollte Adam Preston wissen.
    »Nein.«
    »Na ja.« Preston ließ die Zigarette fallen und trat sie mit dem Absatz aus.
    Das Meer war nicht weit. Sie hörten die Brandung gegen die Klippen donnern. Hier an der Südwestecke von Cornwall waren Land und Meer rauh und urwüchsig. Die Menschen dieser Gegend waren ein ganz besonderer Schlag. Wortkarg und verschlossen, treu und ehrlich.
    Preston räusperte sich. Er spürte, daß die beiden seine Gesellschaft störte. »Dann nichts für ungut«, murmelte er und ging wieder zu seinem alten Standplatz zurück. Als er einen Blick über die

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